Zoran Mušič "Faszination der Malerei" ONLINE!

Virtueller Rundgang RAUM 4 & 5 / Serie "Wir sind nicht die Letzten", Lager Dachau


RAUM 4: Wir sind nicht die Letzten


Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben): Gerhard Maurer

 

Foto: STG


Wir sind nicht die Letzten
 

Rund ein Vierteljahrhundert nach den traumatischen Erfahrungen im Konzentrationslager Dachau, die sich tief in die Seele von Zoran Mušič eingeprägt haben und sein Leben veränderten, brach sich der innere, vermeintlich sublimierte Konflikt Bahn, und der Künstler schuf ab 1970 eine große Anzahl von Gemälden und Zeichnungen mit dem Titel Wir sind nicht die Letzten.
"Man hat gesagt, dass sich so etwas nie mehr wiederholen würde; wir sind sicher die Letzten, denen so etwas passiert ist. 15 oder 20 Jahre später aber hat das Gleiche wieder angefangen. Der Vietnam-Krieg, usw. Als ich an diesem Zyklus gearbeitet habe, ist mir das alles wieder in den Sinn gekommen. Und dann habe ich gesagt: ´Wir sind nicht die Letzten`.“
 


Es sind Darstellungen des Imaginären, die die unüberwindbare Erinnerung an die Ohnmacht und Entmenschlichung von Sterbenden und Toten wachrufen ließen, ob in Einzeldarstellungen oder in entmaterialisierten, nahezu undefinierbaren Körpermassen, die als Leichenberge auftauchen. Die Momente eines persönlichen Todes, die noch seine in Dachau entstandenen figurativen Zeichnungen kennzeichnen, fehlen in diesem Werkkomplex und machen nun einem entindividualisierten, namenlosen Tod Platz.

(Hans-Peter Wipplinger, Auszug aus „Wir sind nicht die Letzten“ I ZORAN MUSIC Poesie der Stille, Ausstellungskatalog Leopold Museum, 2018)
 

Foto: STG

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RAUM 5: Wir sind nicht die Letzten, Dachau


Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben): Gerhard Maurer


 


Wir sind nicht die Letzten


Die Toten von Zoran Music, dargestellt mit aufgerissenen Mündern , leeren Augenhöhlen und ausgezerrten Körpergliedern, die ihn „immer und immer wieder bis tief in den Traum verfolgt“ haben, klagen an und sind Mahnung zugleich, zu welcher Bestialität der Mensch fähig ist. Sie nehmen jedoch keine Abbild- oder Illustrationsfunktion wahr, sondern kommen
von der Seele heraus, aus dem Unterbewussten“, wie der Künstler hervorhob.

(Hans-Peter Wipplinger, Auszug aus „Wir sind nicht die Letzten“ | ZORAN MUŠIČ Poesie der Stille, Ausstellungskatalog Leopold Museum, 2018)

 



Dachau
 

Aufgrund seiner Weigerung, mit der deutschen Besatzungsmacht in Norditalien zu kollaborieren, wurde Zoran Mušič im November 1944 in das berüchtigte Konzentrationslager Dachau deportiert. Bis zur Befreiung am 29. April 1945 hielt er
das Gesehene in einer Reihe von Zeichnungen fest. Teils mit spitzer Feder, teils in Rötel wurden seine zeitlosen Bildbotschaften auf knappe Linearität reduziert. In aller Sachlichkeit entstand ein nonverbales Register des zur Routine gewordenen Grauens. Nur wenige Arbeiten sind mit knappen Notizen über die Identität der Opfer versehen, nur vereinzelt lassen sich individuelle Gesichtszüge ausmachen.

(Ivan Ristić, Auszug aus „Zeitzeuge und Akteur“ I ZORAN MUSIC Poesie der Stille, Ausstellungskatalog Leopold Museum, 2018)