Zoran Mušič "Faszination der Malerei" ONLINE!

Virtueller Rundgang RAUM 2 / Sienesische, Umbrische und Dalmatinische Landschaften, Cavallini-Serie, Akte, die Sammlung Zanei

 

 


RAUM 2: Sienesische, Umbrische und Dalmatinische Landschaften                                Cavallini-Serie, Akte, die Sammlung Zanei


Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben): Gerhard Maurer
 



Landschaften

Mit seiner Serie der Landschaften ging Mušič an die Grenze der Gegenstandslosigkeit. Die Werke zeigen Formen,
Farben, Flecken, die nichts Konkretes repräsentieren. Jedoch halten die Bildtitel Referenzen an reale Landschaften offen. Der Druck der allgemein geltenden Konventionen, die nicht seiner inneren Überzeugung entsprachen, lastete schwer auf dem Künstler. Stets war es Mušič ein Anliegen, den Dialog zwischen dem Bild und der „Realität“ der Erinnerung, die durch die Mittel der Malerei dargestellt werden soll, aufzunehmen. Das Schwanken zwischen Abstraktion und Figuration drückte er so aus: „Mein ganzes Leben drehte sich um ein einziges Thema: die wüstenartige Landschaft, die das Leben ist.

(Angelika Katzlberger, Auszug aus „Für und gegen Abstraktion“ | ZORAN MUŠIČ Poesie der Stille, Ausstellungskatalog Leopold Museum, 2018)
 

"Als ich 1948 zum ersten Mal die Toskana bereiste, war ich hingerissen vom blendenden Weiß der sienesischen Hügel. Daraus sind dann meine sienesischen Landschaften entstanden."

 



Die Sammlung Lia und Maurizio Zanei

„Wir haben uns mit Zoran Mušič und seiner Arbeit zum ersten Mal 1977 bei einem Besuch des Centre Pompidou in
Paris, kurz nach seiner Eröffnung, auseinandergesetzt. Inmitten von Matisse, Picasso und Giacometti sahen wir ein außergewöhnliches Bild: ein erdiges, rotes Gemälde, das – als wir näherkamen – Leichen mit offenen Augen enthüllte.
Wir waren von seiner Schönheit, von seiner tragischen Schönheit vollkommen beeindruckt.“

Ein Jahr später kaufte das Triestiner Ehepaar ihr erstes Mušič-Werk: „Ein Pastell –  eine Dolomitenlandschaft, die uns immer noch fasziniert und wunderschön ist.“

Es folgte ein Gemälde der Pferde-Serie aus dem Jahre 1950. – Der Grundstein für die weltweit größte Mušič-Privatsammlung war gelegt. Heute umfasst die Sammlung ein Konvolut von rund 400 Öl- und Acrylgemälden, Zeichnungen, Aquarellen sowie Mischtechniken auf Papier und beinhaltet mit über 500 Papierarbeiten fast das
gesamte grafische Werk von Zoran Mušič.

In dieser Ausstellung stammen mehr als ein Drittel der insgesamt rund 230 Werke aus der Sammlung Lia und Maurizio Zanei, Triest.

Foto: STG

Foto: STG


Pferde

Die Pferdchen sind sehr lebendige Kreaturen, die sich wie Beschwörungen, Bilderfetzen oder nicht hinreichend gelebte Träume in einer ewigen Gegenwart, einer Welt der Visionen, bewegen. Sie sind wie Musik im Reinzustand, Modulationen von Klängen in schrille Figuren verwandelt, die wie hohe, silbrige Töne klingen. Mal bilden sie beständige, mal veränderliche Bildelemente von Landschaften, die sich wie musikalische Partituren präsentieren, längs regelrechter Notenlinien als klopfende Farbtupfer organisiert.

(Marilena Pasquali, Auszug aus „Pferdchen, Umbrien, Toskana“ | ZORAN MUŠIČ Poesie der Stille, Ausstellungskatalog Leopold Museum, 2018)
 

"Ich hatte das Bedürfnis, gewisse Dinge zu vergessen. Ich blickte in die Vergangenheit zurück, in meine Kindheit. Stets dachte ich an die Gegenden, in denen ich gelebt hatte, und an die dalmatinischen Landschaften. Daraus ergaben sich
die Pferdchen, die Felslandschaften, die Wüsten, der Karst."

 


Mušič brachte in die künstlerische Welt des 20. Jahrhunderts eine neue, stillere bzw. poetische Anordnung und Gliederung der Darstellung eines Fohlens, eines Esels oder Pferdes, oder einer kleinen Herde. Was Mušičs Art des „Sehens eines Pferdes“ in der Serie Pferdchen von anderen Künstlern unterscheidet, beruht auf seinem singulären Eindruck der Landschaften der östlichen und westlichen Zivilisation, in Verbindung mit Formen der Interpretation von dalmatinischen Frauen mit Pferden, der Gestaltung der Reiter, die in den Horizont reiten wie die byzantinischen Krieger, und in der Darstellung der Pferde selbst, die flattern und schweben wie die Tiere in den urzeitlichen Höhlen.

Mušič begann schon in den frühen Jahren mit dem Malen von Eseln und Pferden, gleich nach der ersten dalmatinischen Reise. Bei der Durchsicht seines Werks finden wir Pferde aus dem Jahre 1935, dargestellt als Motivo dalmata, sowie die letzten Pferde in der Serie des Jahres 1966, als er sich abermals diesem Thema zuwandte, während die treffendsten und bedeutendsten Fohlenbilder in den frühen 50er Jahren entstanden sind.

(Nataša Ivanović, Auszug aus „Das Narrativ der Pferdchen“ | ZORAN MUŠIČ, Faszination der Malerei, Sammleredition, Galerie Magnet, 2019)