UMLACKIERT | Graffiti - von Legal Walls bis Wholetrains

20. April bis 05. September 2021

 

Sie entstehen oft über Nacht: bunte Bilder und wilde Buchstaben, meist ohne Auftrag und mancherorts auch unerwünscht. Seit Jahrzehnten werfen unleserlich wirkende Schriftzüge in schrillen Farben Fragen nach deren Sinnhaftigkeit auf. Schmiererei, Vandalismus, Zerstörung – manchmal auch Kunst: Eine vereinfachte Erklärung ist schnell gefunden, doch genauer betrachtet verbirgt sich weit mehr dahinter als das autonome Umlackieren von Mauern und Zügen.

 

Das Hinterlassen von Botschaften und Inschriften als Spuren der eigenen Existenz ist eigentlich so alt wie der Mensch selbst. Graffiti und deren Vorläufer waren immer schon allgegenwärtig. Die heute sichtbarste Form nennt sich Graffiti-Writing und hat ihren Ursprung in den 1960er Jahren in Nordamerika. Der Begriff Writing (dt.: das Schreiben) benennt die Tätigkeit, durch die eine heute weltweite Bewegung ihren Anfang nahm. Die meist jugendlichen AkteurInnen begannen ungefragt ihre Namen an öffentliche Flächen zu schreiben, zu taggen. Das Verwenden von Pseudonymen und Spitznamen gewährte die nötige Anonymität, denn das Writing auf fremden Eigentum war schon damals größtenteils verboten und wurde auch polizeilich verfolgt. Schnell stand die New Yorker Subway im Mittelpunkt des Schaffens. Die U-Bahn Züge transportierten die unzähligen aufgesprühten Namen quer durch die Stadt und die WriterInnen konnten ein großes Publikum erreichen. Unter den WriterInnen herrschte ein stetiger Wettbewerb, mit dem Ziel den eigenen Namen aus der Masse hervorstechen zu lassen. Umfangreiche und individuelle Typografien wurden erschaffen und auch das quantitative Schreiben führte zur fortlaufenden Eroberung der Innen- und Außenseiten der U-Bahnen, bis hin zum komplett besprühten Zug – dem Wholetrain.

 

Auch wenn ein Großteil der Bevölkerung mit Unverständnis reagierte, entdeckte in den 1980er Jahren der Kunstmarkt die Ästhetik und Energie der gesprühten Bilder.
Zunehmend verlagerte sich das Schaffen der WriterInnen vom Zug auch auf die Leinwand. Graffiti-Ausstellungen wurden populärer und auch in Europa wurde die scheinbar neu entdeckte Kunstform vermehrt ausgestellt. Parallel dazu erschienen Publikationen und Dokumentarfilme. Davon inspiriert entstanden in den 1980er Jahren lokale, europäische Writing-Bewegungen, die sich laufend über den Kontinent ausbreiteten. Schließlich erreichte das Graffiti-Writing Österreich. Erste Werke tauchten zunächst in Wien auf, wo es im Jahr 1984 bereits eine Handvoll WriterInnen gab, die durch Filme wie „Wild Style“ auf die Bewegung aufmerksam wurden. Kurze Zeit später wurden auch in Kärnten die ersten Wände besprüht.

 

Die Ausstellung „UMLACKIERT. Graffiti – von Legal Walls bis Wholetrains“ gibt einen umfangreichen und authentischen Einblick in die Graffiti-Writing Bewegung. Der Betrachter / Die Betrachterin erhält Zugang zu einer Kultur, die sich oft am Rande der Legalität bewegt.

 

Eine Ausstellung in Kooperation mit Urban Playground und Spraycity.

Kuratiert von Florian Mikl und Stefan Wogrin.