FRANZ YANG-MOČNIK

Poetik des Fragments

25. März bis 12. Juni 2022

 

Fragmente, Bruchstücke, Relikte, Reste und Spuren durchziehen das Werk von Franz Yang-Močnik wie der sprichwörtliche rote Faden. Sowohl in der Zeichnung wie auch in der Malerei sind seine Menschendarstellungen geprägt von Deformationen und Verzerrungen und seine Interieurs und Landschaften von strenger Ausschnitthaftigkeit. Das Groteske, das seine frühen Arbeiten auszeichnet, weicht mit den Jahren einer Zergliederung und Facettierung. Die Gesichter weisen Risse auf, die Integrität des Körpers erscheint meist aufgebrochen.

Das Fragmentarische gilt gemeinhin als Kennzeichen der Moderne, Adorno spricht sogar von einem »Formgesetz moderner Kunst«. Die Erkenntnis, dass das Ideal ästhetischer Vollkommenheit kaum erreicht werden kann, die Etablierung des Fragments als Konzept, beginnt sich in der Romantik zu etablieren. Friedrich Schlegel spricht vom Fragment als einem »Wegweiser zu einer Vollkommenheit, die nicht hier und jetzt erscheint, sondern nur in der Vergangenheit aufgefunden oder in der Zukunft eingelöst werden kann«. Das Fragmentarische als Haltung verwehrt sich gegen jeden Anspruch auf Vollkommenheit. Das Werk ist nie abgeschlossen, zeigt seine Sollbruchstellen, bleibt immer offen. Eine Idee, eine Vorstellung kommt in keinem Werk wirklich zum Abschluss, sondern macht sofort andere Lösungen und neue Bilder notwendig. Darin spiegelt sich zugleich die Brüchigkeit von Erfahrung einer Welt, die im permanenten Umbruch ist, die Skepsis an vermeintlich feststehenden Ordnungen und tradierten Wahrheiten. Jede Eindeutigkeit wird zurückgewiesen. Das Fragment ist immer Ausgangspunkt, nie Ende, ein steter Neubeginn.

Roman Grabner, Kurator der Ausstellung

Foto: Selbstbildnis, 2007 © Neuhold