Zoran Mušič "Faszination der Malerei" ONLINE!

Virtueller Rundgang RAUM 3b / Späte Selbstportraits (Der müde Körper), Ida Portraits und Doppelportraits (Der Künstler und seine Frau), Paris und Venedig


RAUM 3b: Späte Selbstportraits (Der müde Körper) 
                  Ida Portraits und Doppelportraits (Der Künstler und seine Frau)                          Paris und Venedig


Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben): Gerhard Maurer

 


Der müde Körper

Rolle zurück. In den Werken dieser Jahre beugt sich der Körper bereits nach vorne vor, als ob er sich aus dem Leben zuIn der letzten Werkphase zwischen 1988 und 2001 gewann die menschliche Figur in der Malerei Mušič seine sehr wichtige rückziehen und sich in einem Gestus der Meditation, des Gebets mit vor dem Gesicht zusammengeführten Händen konzentrieren würde. Die Gesichtszüge verschwinden ins Undeutliche einer stechenden physischen und psychischen Einsamkeit.

Diese allerletzten Arbeiten stellen den Betrachter vor große Herausforderungen, verstanden es doch nur sehr wenige Künstler, die Bitterkeit des Alters in dieser Eindringlichkeit darzustellen. Die körperliche Erscheinung geht mit Verwandlung und dem unaufhaltsamen Verfall einher, dennoch verleihen ihr die Bilder eine empfindsame Würde und ein Recht auf die Existenz. Wie Rembrandt untersuchte Mušič anhand es einer selbst die altersbedingten Veränderungen, verzeichnete sie auf Papier und Leinwand mit dem Gefühl und dem Abstand einer Person, die mit der eigenen Haut spielt und in der Lage ist, sich ohne Furcht oder Nachgiebigkeit von außen zu betrachten.

(Marilena Pasquali, Auszug aus „Der müde Körper“ | ZORAN MUŠIČ Poesie der Stille, Ausstellungskatalog Leopold Museum, 2018)
 

Foto STG


Der Künstler und seine Frau Ida

Mušič, der vor der Zäsur des Krieges und seiner Gefangenschaft mehrere Auftragsbildnisse gemalt hatte, erklärte oft,
er könne nur sich selbst und seine Frau Ida porträtieren. Unter Hinweis darauf, dass es nicht um ein Desinteresse an Drittpersonen, ging, schrieb er diesen Umstand der Tatsache zu, dass er nur die allervertrautesten Charaktere ins
Bildliche übertragen konnte. Würde er sich eines Modells bedienen, so fände er dann „lediglich eine Maske“, wo er
doch „das Innere einer Person suche“, so der Künstler in einem Gespräch.

(Ivan Ristić, Auszug aus „Der Künstler und seine Frau“ | ZORAN MUŠIČ Poesie der Stille, Ausstellungskatalog Leopold Museum, 2018)

Foto STG

Paris, Venedig
 

Foto: STG

Venedig, eine magische Stadt, zu der Mušič viele Jahre hindurch eine besondere, privilegierte und glückliche Beziehung unterhielt. Dies vielleicht auch deswegen, weil er Venedig mit Ida, seiner lebenslangen Gefährtin, identifizierte. Mit ihren unergründlichen pechschwarzen Augen erschien sie ihm als getreue Personifizierung Venedigs und Venedig als Metapher der Geliebten aus Licht, Wasser, goldenen und marmornen Mosaiksteinen, eine enge Verbindung von Menschen und Lebensraum. Venedig war für Mušič der Ort der Schönheit schlechthin, wo sich  Gegensätze lockern oder sogar in Harmonie auflösen. Erst in seiner letzten Phase ab den frühen 1980er-Jahren sollte die Vorstellung Venedigs einem Prozess der Entfremdung und Loslösung unterzogen werden. Das betraf alle Motive: Der Künstler verschleierte die geliebten Winkel der Kanäle, Gassen und Paläste mit einem lichtdurchfluteten, immer dichteren Nebel. Damit hüllte er jedes Ding, jede Kreatur und vor allem die menschliche Figur ein.

(Marilena Pasquali, Auszug aus „In sich, außer sich – Der Mensch und die Natur in Zoran Mušičs Werk“ | ZORAN MUSIC Poesie der Stille, Ausstellungskatalog Leopold Museum, 2018)  
 

Foto: STG

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