Manfred Bockelmann


ZEICHNEN GEGEN DAS VERGESSEN

27.11.2013 bis 26.01.2014
Täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr.
Feiertags außer Montag von 10 bis 18 Uhr.
Vom 23. bis 26.12. ist die Galerie geschlossen! Eintritt frei!

Die Sonderausstellung „Manfred Bockelmann. Zeichnen gegen das Vergessen“
zeigt großformatige Porträts, Kohlezeichnung auf Jute, von Kindern und Jugendlichen, die zu Opfern des Nazi-Terrors wurden.
Der Künstler Manfred Bockelmann setzt damit „Zeichen gegen das Vergessen“.
Es geht ihm, wie er es formuliert, darum, „zumindest einigen wenigen Namen
und Nummern Gesichter zu geben, Menschen aus der Anonymität der Statistik herauszuheben“. Gerade in diesen Porträts der damals so genannten „Unreinen“ zeigt sich eine reine Menschlichkeit.

Bockelmann in seinem Atelier


Als Vorlagen der Porträts dienen erkennungsdienstliche Fotografien der damaligen Behörden – Gestapo, SS, Ärzteschaft -, die nach der Deportation der Kinder und Jugendlichen in den Spitälern und Lagern gemacht wurden. Sie tragen dann den berüchtigten breit gestreiften Häftlingsanzug, ihre Köpfe sind kahlgeschoren.

Czeslawa Kwoka 14 Jahre (Themenbereich_Auschwitz)


Dagegen wurden andere, vornehmlich Roma und Sinti, in den Sammellagern dazu aufgefordert, sich bei den Behörden zum Fototermin zu melden. Sie tragen ihre besten Kleider, wollen guten Eindruck machen, wissen noch nicht, was ihnen angetan werden wird. Wieder andere konnten Fotoalben ihrer Familien in die Todeslager mitnehmen.

Erdmann Schmidt 7 Jahre (Themenbereich Roma und Sinti)


Manfred Bockelmann geht es in dieser Arbeit – die nach seiner eigenen Aussage
für ihn „niemals enden wird“ – nicht um Kunst, sondern um Ähnlichkeit mit dem lebendigen Menschen, um Wiedererkennbarkeit für Angehörige, Zeitzeugen und Nachgeborene. Der zittrig nervöse Kohlestrich lässt für Augenblicke eine lebendige Kommunikation spürbar werden, die die kalte Linie der erkennungsdienstlichen Fotografie eher verweigert.

Bockelmann beim Zeichnen eines Portraits

Dass man laut Theodor W. Adorno „nach Auschwitz keine Gedichte mehr schreiben“ könne – diese Forderung wird durch den ungekünstelten, scheinbar einfachen und gefühlvollen Zugang Bockelmanns befolgt und zugleich, im Moment des Auge in Auge mit sich selbst Seins, unterlaufen. Denn die Anderen sind hier im Wesentlichen Nicht-Andere.

Die Motivation des Künstlers, gegen das Vergessen zu zeichnen, bezieht sich nicht nur auf diese jungen Menschen, sondern verweist aus der Geschichte heraus auf Fragen der Gegenwart. Die Konfrontation mit den Porträts überprüft die eigene Fähigkeit zu Mitgefühl, Solidarität und Verantwortung.